Grieß selber machen mit Getreidemühle – So gelingt es
Sie möchten Pizza oder Pasta wie beim Italiener zubereiten, doch der Teig klebt, reißt oder wird zäh. Vielleicht fragen Sie sich, ob die Mehlsorte oder der Mahlgrad schuld ist – etwa, ob Thermomix oder Getreidemühle für Ihre Zwecke die bessere Wahl ist. Hartweizenmehl ist oft teuer oder schwer zu bekommen, während Hartweizengrieß in jedem Supermarkt verfügbar ist. Genau hier setzt die Idee an, Grieß selber zu machen oder ihn gezielt als Ausgangspunkt zu nutzen. Mit einer Getreidemühle gewinnen Sie mehr Kontrolle über Frische, Geschmack und Nährstoffe, sparen oft Geld und können die Herkunft Ihrer Zutaten besser nachvollziehen.
Was ist Grieß – und was unterscheidet ihn von Mehl, Dunst und Schrot?
Grieß ist ein Mahlprodukt zwischen Schrot und Mehl. Die Partikelgröße ist das entscheidende Merkmal: Grieß weist typischerweise eine Körnung von etwa 0,3 bis 1 Millimeter auf. Die einzelnen Teilchen sind deutlich spürbar, wenn Sie sie zwischen den Fingern reiben, aber längst nicht so grob wie Schrot.
Schrot ist deutlich gröber, meist über einem Millimeter Partikelgröße, und hat einen körnigen Biss. Schrot wird häufig zum Bestreuen von Brot oder als Brühstück für Vollkornbrote verwendet und enthält oft mehr Randschichten des Korns.
Dunst ist feiner als Grieß, aber gröber als Mehl. Die Partikelgröße liegt bei etwa 0,18 bis 0,3 Millimeter. Dunst wirkt mehlähnlich, rieselt aber anders und hat eine griffigere Struktur. Er eignet sich gut für Teigwaren, Spätzle oder Pizzateig.
Mehl ist das feinste Mahlprodukt mit einer Partikelgröße unter 0,18 Millimeter. Es fühlt sich pudrig an und eignet sich für zarte Gebäcke, feine Teige und klassisches Brotbacken.
Wichtig: Der Ausmahlungsgrad beschreibt, welche Teile des Korns vermahlen wurden – ob nur der helle Stärkekern oder auch die Randschichten und der Keimling enthalten sind. Der Feinheitsgrad beschreibt, wie fein oder grob das Mahlgut ist. Diese beiden Begriffe sind unabhängig voneinander. Sie können beispielsweise Vollkornmehl sehr fein mahlen und auch helles Mahlgut grob als Grieß herstellen, wenn Sie die Randschichten durch Sieben entfernen.
Ausmahlungsgrad und Feinheitsgrad richtig verstehen
Der Ausmahlungsgrad gibt an, wie viel vom gesamten Korn im Endprodukt enthalten ist. Bei Weißmehl wird nur der Stärkekern verwendet, Randschichten und Keimling werden entfernt. Bei Vollkornmehl wird das ganze Korn vermahlen, inklusive aller Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe aus den äußeren Schichten.
Der Feinheitsgrad beschreibt die Größe der Partikel nach dem Mahlen: von grob (Schrot) über mittel (Grieß) und fein (Dunst) bis sehr fein (Mehl). Das bedeutet: Sie können Vollkornmehl sehr fein mahlen, und Sie können hellen Grieß herstellen, indem Sie gröber mahlen und anschließend sieben.
Wenn Sie Grieß selber machen möchten, müssen Sie vor allem den Feinheitsgrad treffen, also die richtige Körnung einstellen. Wenn Sie zusätzlich hellen Grieß bevorzugen, reduzieren Sie die Randschichten durch Sieben oder verwenden von vornherein geschältes Getreide.
Welche Getreide eignen sich für Grieß und wofür nutzen Sie welche Sorte?
Grieß kann aus verschiedenen Getreidesorten hergestellt werden, und jede Sorte hat ihre typischen Anwendungen:
Weichweizen-Grieß ist der Klassiker für Süßspeisen wie Grießbrei, Grießpudding, Grießnockerl oder Grießklößchen. Er wird auch gerne zum Ausstreuen von Backformen oder als saugfähige Schicht auf dem Boden von Obstkuchen verwendet.
Hartweizen-Grieß ist typisch für Pasta, Pizza und Hartweizenbrote. Er hat eine gelblichere Farbe und einen kräftigeren Biss. Hartweizen enthält mehr Protein und Gluten als Weichweizen, was ihn ideal für elastische Teige macht.
Grieß muss nicht zwingend aus Weizen sein. Prinzipiell lassen sich auch andere Körner zu grießähnlichen Produkten verarbeiten, beispielsweise Mais, Hirse, Reis, Buchweizen oder Quinoa. Die Ergebnisse variieren stark, und die Backeigenschaften sind teils anders als bei Weizen.
Für glutenfreie Ernährung können Sie aus Reis, Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth oder getrockneten Hülsenfrüchten wie Linsen oder Kichererbsen grießartige Körnungen herstellen. Glutenfreie Grieße verhalten sich in Rezepten anders als Weizengrieß, da ihnen die Klebereigenschaften fehlen. Die Bindung und Struktur im Teig muss daher oft angepasst werden.
Grieß selber machen mit Getreidemühle – das Grundprinzip
Was bedeutet es praktisch, Grieß selber zu machen mit einer Getreidemühle? Im Kern geht es darum, ganze Körner so zu mahlen, dass eine Körnung zwischen 0,3 und 1 Millimeter entsteht. Das gelingt nicht automatisch bei jeder Mühle und nicht bei jeder Einstellung. Sie müssen den Mahlgrad gezielt einstellen und oft auch sieben, um die gewünschte Zielkörnung zu treffen.
Zwei Wege sind in der Praxis üblich:
Weg A: Sie mahlen ganze Körner direkt mit einer groben bis mittleren Einstellung, um Grieß herzustellen. Das funktioniert gut, wenn Ihre Mühle eine stabile, gleichmäßige Körnung liefert.
Weg B: Sie mahlen zunächst etwas feiner und sieben anschließend, um die gewünschte Grießkörnung herauszuarbeiten. Grobe Anteile mahlen Sie erneut, feine Anteile nutzen Sie als Dunst oder Mehl. Dieser Weg ist sinnvoll, wenn Ihre Mühle keine perfekte Grießkörnung auf Anhieb liefert.
Wichtig: Nicht jede Haushaltsmühle trifft perfekten Grieß auf Anhieb. Manchmal sind mehrere Durchläufe oder Sieben nötig, um ein gleichmäßiges Ergebnis zu erzielen. Das ist völlig normal.
Welche Eigenschaften braucht eine Getreidemühle fürs Grießmachen?
Nicht jede Getreidemühle ist gleich gut geeignet, um Grieß selber zu machen. Achten Sie beim Kauf oder bei der Nutzung auf folgende Merkmale:
Stufenlos oder mehrstufig einstellbarer Mahlgrad ist die Schlüsselfunktion. Sie müssen die Mühle von grob bis fein einstellen können, um die Zielkörnung zu treffen. Mühlen mit festen Stufen sind weniger flexibel.
Mahlwerk-Typ beeinflusst die Gleichmäßigkeit der Körnung und die Wärmeentwicklung. Steinmahlwerke aus Korund oder Naxos sind klassisch und schleifen sich oft selbst nach. Keramikmahlwerke sind langlebig und wartungsarm. Stahlmahlwerke sind robust, können aber bei langen Mahldurchgängen wärmer werden. Jede Variante hat Vor- und Nachteile.
Motorleistung und Durchsatz sind wichtig, wenn Sie harte Körner wie Hartweizen, Mais oder Reis mahlen möchten. Diese Sorten bringen mehr Widerstand, und ein schwächerer Motor kann schneller an seine Grenzen kommen.
Einzug und Fluss des Mahlguts: Sehr feines Mahlgut fließt beim zweiten Durchlauf oft schlechter nach und muss mit einem weichen Pinsel nachgeschoben werden. Das ist normal, aber Sie sollten darauf vorbereitet sein.
Temperatur und Wärmeentwicklung können Frische und Aroma beeinflussen. Wenn die Mühle zu heiß wird, können empfindliche Bestandteile leiden. Arbeiten Sie daher lieber in Etappen und lassen Sie die Mühle zwischendurch abkühlen.
Lautstärke und Staub sind oft unterschätzte Faktoren. Grieß erzeugt weniger Staubentwicklung als Mehl, aber beim Sieben entsteht feiner Abrieb. Sorgen Sie für gute Belüftung oder arbeiten Sie nahe am Auffanggefäß.
Reinigung ist besonders wichtig, wenn Sie verschiedene Getreidesorten mahlen. Nach öligen oder klebrigen Saaten wie Leinsamen sollten Sie die Mühle gründlich reinigen, bevor Sie Grieß herstellen, sonst klebt das Mahlgut zusammen oder schmeckt fremd.
Schritt für Schritt: Grieß aus ganzen Körnern herstellen
So stellen Sie Grieß selber aus ganzen Körnern her:
Rohware prüfen: Verwenden Sie saubere, trockene Körner. Sortieren Sie Fremdkörper wie kleine Steinchen oder Spelzen aus. Bei empfindlichen Ernährungsformen wie Zöliakie ist es sinnvoll, die Körner sorgfältig durchzusehen, um Verunreinigungen mit glutenhaltigem Getreide auszuschließen.
Mühle einstellen: Stellen Sie die Mühle auf eine grobe bis mittlere Stufe ein. Ihr Ziel ist eine Körnung zwischen 0,3 und 1 Millimeter. Beginnen Sie eher etwas gröber und tasten Sie sich heran.
Testmenge mahlen: Mahlen Sie zunächst nur eine kleine Menge, etwa 50 Gramm, und prüfen Sie das Ergebnis zwischen den Fingern. Es sollte spürbar körnig sein, aber nicht mehlfein und nicht zu schrotig.
Feinjustieren: Wenn das Ergebnis zu mehlig ist, stellen Sie die Mühle etwas gröber. Ist es zu grob oder schrotig, stellen Sie etwas feiner nach.
Ergebnis sammeln und sieben: Sammeln Sie das gemahlene Gut und sieben Sie es bei Bedarf durch ein feinmaschiges Sieb. Grobe Anteile geben Sie zurück in die Mühle, feine Anteile können Sie als Dunst oder Mehl separat nutzen.
Konsistenz beachten: Selbst gemachter Grieß ist oft nicht hundertprozentig gleichmäßig, aber in der Küche gut nutzbar. Für Grießbrei oder Pasta spielt eine leichte Ungleichmäßigkeit meist keine große Rolle.

Aus Hartweizengrieß günstiges Mehl machen – der umgekehrte Weg
Hartweizenmehl ist oft teuer oder regional schwer erhältlich, während Hartweizengrieß in jedem Discounter günstig zu haben ist. Viele nutzen deshalb den umgekehrten Weg: Sie mahlen Hartweizengrieß zu Mehl. Das funktioniert, erfordert aber etwas Geduld und die richtige Technik.
Vorgehen: Stellen Sie die Mühle auf die feinste Stufe und mahlen Sie den Grieß in zwei Durchgängen. Beim ersten Durchlauf wird das Korn kleiner, beim zweiten Durchlauf entsteht ein mehlähnliches Ergebnis.
Warum zwei Durchgänge? Körner werden gleichmäßiger, wenn der Ausgangsstoff bereits kleiner ist. Beim zweiten Durchlauf rutscht das feine Mahlgut allerdings oft schlechter nach, da es nicht mehr von selbst in den Einzug fällt. Arbeiten Sie daher mit kleinen Portionen und schieben Sie das Mahlgut vorsichtig mit einem weichen Pinsel nach.
Risikohinweis: Überlasten Sie die Mühle nicht. Achten Sie auf ungewöhnliche Geräusche oder Blockieren. Tasten Sie sich lieber von gröber zu feiner heran und lassen Sie die Mühle zwischendurch abkühlen.
Ergebnis einordnen: Das selbst gemahlene Mehl aus Grieß kann sich in der Handhabung etwas anders verhalten als gekauftes Hartweizenmehl. Die Hydration und das Teiggefühl können abweichen, aber für viele Anwendungen wie Pizza, Pasta oder Brot ist das Ergebnis praktikabel und schmeckt frisch und aromatisch.
Sieben und Korngrößen – so bekommen Sie Kontrolle über das Ergebnis
Sieben ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Werkzeug, um gleichmäßigere Ergebnisse zu erzielen und Ihre selbst gemachten Mahlprodukte besser zu kontrollieren.
Warum Sieben sinnvoll ist: Sie trennen grobe, mittlere und feine Anteile und können jede Fraktion gezielt verwenden. Das macht Ihre Rezepte reproduzierbarer und verbessert das Backergebnis.
Einfache Sieb-Logik: Grobanteile geben Sie zurück in die Mühle und mahlen sie erneut. Feinanteile nutzen Sie als Dunst oder Mehl. Was im Sieb bleibt, ist Ihr Grieß.
Küchennahe Orientierung: Grieß rieselt, Mehl staubt, Dunst liegt dazwischen. Reiben Sie das Mahlgut zwischen den Fingern und beurteilen Sie die Körnung optisch und haptisch. Diese Fingerprobe ist alltagstauglich und zuverlässig.
Körnung trifft Anwendung: Grober Grieß eignet sich eher zum Bestreuen oder für Biss in Broten. Feiner Grieß passt gut für Brei, Knödel oder Teigwaren.
Typische Anwendungen für selbst gemachten Grieß
Grießbrei und Grießpudding aus Weichweizen oder glutenfreien Varianten: Die Konsistenz hängt stark von der Körnung ab. Feiner Grieß quillt schneller und gleichmäßiger, gröberer Grieß braucht länger und hat mehr Biss.
Grießklößchen und Grießnockerl benötigen eine gute Bindung. Achten Sie auf ausreichende Quellzeit, damit der Grieß Flüssigkeit aufnehmen kann.
Pasta wird klassisch aus Hartweizengrieß oder Hartweizendunst hergestellt. Sehr grober Grieß ist weniger geeignet, da der Teig schwerer zu formen ist. Feiner Grieß oder Dunst funktioniert besser.
Pizza: Hartweizengrieß eignet sich hervorragend zum Ausformen und Unterstreuen. Der Teig klebt weniger, und der Boden wird knuspriger. Auch Dunst funktioniert hier sehr gut.
Obstkuchen und saftige Kuchen: Grieß als saugfähige Schicht am Boden verhindert, dass der Teig durchweicht. Verwenden Sie feinen Grieß, damit er nicht zu körnig schmeckt.
Brot: Kleine Grießanteile sorgen für Textur und Biss. Oder Sie bestreuen die Brotoberfläche mit Grieß für eine rustikale Optik.
Lagerung und Frische – was Sie wissen sollten
Frisch gemahlener Grieß enthält mehr Aroma als gekaufter, der oft schon Wochen oder Monate gelagert wurde. Mit der Zeit verflüchtigen sich Aromastoffe und empfindliche Bestandteile wie Vitamine.
Pragmatische Empfehlung: Mahlen Sie lieber kleinere Mengen und verbrauchen Sie diese zeitnah, am besten innerhalb von zwei bis vier Wochen.
Aufbewahrung: Lagern Sie Grieß trocken, dunkel und in einem gut schließenden Behälter. Schützen Sie ihn vor Feuchtigkeit und Fremdgerüchen, da er diese leicht aufnimmt.
Unterschied Vollkorn vs. hell: Je mehr Randschichten und Keimanteile enthalten sind, desto empfindlicher ist das Mahlgut bei der Lagerung. Vollkorn-Grieß kann schneller ranzig oder alt schmecken als heller Grieß.
Qualitätskriterien beim Rohkorn und Grieß
Körner prüfen: Achten Sie darauf, dass die Körner trocken, sauber, gleichmäßig und ohne muffigen Geruch sind. Feuchtigkeit oder Schimmel sind ein Ausschlusskriterium.
Herkunft und Transparenz: Eine nachvollziehbare Lieferkette und seriöse Anbieter sind gute Orientierungspunkte. Regionale oder EU-Ware bietet oft mehr Transparenz.
Bio als Orientierung: Bio-Zertifizierung kann für viele ein Qualitäts- und Nachhaltigkeitskriterium sein, ohne dass es eine Garantie für Geschmack oder Verarbeitung darstellt. Es ist eine Option, keine Pflicht.
Preislogik: Ganze Körner oder Grieß sind oft günstiger als Spezialmehle. Es lohnt sich zu vergleichen, ob sich das Selbermahlen finanziell lohnt. Nicht immer ist es billiger, aber oft frischer und aromatischer.
Für glutenfrei: Wenn Sie sich strikt glutenfrei ernähren müssen, achten Sie auf zertifizierte Ware. Sonst besteht das Risiko von Kontamination mit glutenhaltigem Getreide. Prüfen Sie die Körner sorgfältig, wenn keine Zertifizierung vorliegt.
Häufige Fehler und schnelle Lösungen
Problem: Ergebnis ist zu mehlfein statt grießig. Lösung: Mahlgrad war zu fein eingestellt. Sieben Sie das Mahlgut, stellen Sie die Mühle gröber und mahlen Sie Testmengen erneut.
Problem: Ergebnis ist zu grob oder schrotig. Lösung: Stellen Sie die Mühle etwas feiner. Mahlen Sie grobe Teile nach, bis die gewünschte Körnung erreicht ist.
Problem: Mühle zieht das Mahlgut nicht ein, besonders beim Nachmahlen. Lösung: Arbeiten Sie mit kleinen Portionen. Schieben Sie das Mahlgut vorsichtig mit einem Pinsel nach. Überfüllen Sie den Trichter nicht.
Problem: Mühle wird warm oder riecht ungewöhnlich. Lösung: Machen Sie eine Pause. Mahlen Sie kleinere Mengen und lassen Sie die Mühle abkühlen. Arbeiten Sie nicht dauerhaft am Leistungslimit.
Problem: Teig wird zäh oder zu trocken. Lösung: Grieß bindet Wasser teils anders als Mehl. Passen Sie die Wassermenge an und geben Sie dem Teig ausreichend Quellzeit.
Problem: Grieß im Kuchenboden ist spürbar körnig. Lösung: Die Körnung war zu grob. Mahlen Sie feiner oder nutzen Sie Dunst statt Grieß.
Glutenfrei-Sonderaspekte – was Sie beachten sollten
Frisch mahlen ist bei glutenfreien Körnern besonders attraktiv, da Sie Aroma, Vollkornanteil und Vielfalt selbst bestimmen können.
Welche glutenfreien Rohstoffe sich mahlen lassen: Reis (verschiedene Sorten wie Basmati, Langkorn, schwarzer Reis, roter Reis), Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth sowie getrocknete Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen oder Bohnen für Mehl.
Was problematisch ist: Sehr ölhaltige Saaten wie Sesam, Hanf oder Kürbiskerne sollten nur begrenzt und gemischt gemahlen werden, sonst schmiert und verklebt das Mahlwerk. Ein Anteil von etwa fünf Prozent ist bei den meisten Mühlen tolerierbar.
Kontaminationsrisiko bei strenger Glutenfreiheit: Die Mühle muss wirklich glutenfrei sein. Wenn sie zuvor mit glutenhaltigem Getreide eingemahlen oder genutzt wurde, besteht das Risiko einer Kontamination. Bei Zöliakie sollten Sie eine separate Mühle verwenden oder sicherstellen, dass die Mühle vom Hersteller glutenfrei eingemahlen wurde.
Erwartungen realistisch halten: Glutenfreie Grieße verhalten sich in Rezepten anders als Weizengrieß. Bindung und Struktur fehlen, daher müssen Rezepte oft angepasst werden. Teige brauchen mehr Flüssigkeit, längere Quellzeit oder zusätzliche Bindemittel.
Wissensblock Mehltypen – nur soweit relevant für Grieß
Mehltypen wie Type 405, 550 oder 1050 beschreiben den Ausmahlungsgrad, also welche Kornteile enthalten sind. Weißmehl hat eine niedrige Typenzahl, Vollkornmehl eine hohe. Diese Typen beziehen sich nicht auf die Körnung.
Warum das beim Grießmachen wichtig ist: Grieß und Dunst sind häufig hell, weil die Kleie ausgesiebt wurde. Vollkorn-Grieß wäre grobkörnig mit Randschichten und schmeckt kräftiger. Sie können also hellen Grieß herstellen, indem Sie sieben, oder Vollkorn-Grieß, indem Sie das ganze Korn grob mahlen.
Alltagsszenarien – so nutzen Sie selbst gemachten Grieß
Szenario Pizzaabend: Sie formen den Teig auf der Arbeitsfläche und streuen Hartweizengrieß darunter statt Mehl. Der Teig klebt nicht, lässt sich leichter handhaben, und der Boden wird schön knusprig.
Szenario Familienküche: Sie kochen schnellen Grießbrei zum Frühstück. Dank gleichmäßiger Körnung klumpt der Brei nicht und gart gleichmäßig durch. Ihre Kinder lieben die cremige Konsistenz.
Szenario Sparfuchs: Sie kaufen Hartweizengrieß günstig im Discounter und mahlen ihn zu Mehl. Sie nutzen es für Brot und Pizza. Der Teig braucht etwas Feintuning bei der Hydration, aber das Ergebnis ist frisch und aromatisch – und Sie haben Geld gespart.
Szenario Vorratsküche: Sie mahlen kleine Mengen frisch, nutzen den Rest sofort und lagern den Rest richtig, um Aroma zu halten. So haben Sie immer frischen Grieß zur Hand, ohne große Mengen vorzuhalten.
Nachhaltigkeit und ehrliche Erwartung
Selber machen kann Verpackung sparen, wenn Sie größere Gebinde kaufen und weniger Spezialpackungen benötigen. Es muss aber nicht automatisch perfekt oder in jedem Fall umweltfreundlicher sein.
Weniger Lebensmittelverschwendung durch On-Demand-Mahlen: Sie mahlen nur, was Sie brauchen, und vermeiden so, dass Mehl alt wird und weggeworfen werden muss.
Realistische Einordnung: Ob Selbermahlen nachhaltiger ist, hängt von Ihrem Einkauf, Verbrauch und der Energieeffizienz Ihrer Mühle ab. Es kann helfen, oft hilft es, aber es ist kein Allheilmittel.
Begriffe erklärt – damit Einsteiger folgen können
Ausmahlungsgrad: Beschreibt, welche Teile des Korns vermahlen wurden (hell/Stärkekern oder vollständig mit Randschichten).
Feinheitsgrad/Körnung: Partikelgröße nach dem Mahlen (grob bis fein).
Kleie: Die äußeren Randschichten des Korns, die Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe enthalten.
Dunst: Mahlprodukt zwischen Grieß und Mehl, mit Partikelgröße zwischen 0,18 und 0,3 Millimeter.
Schrot: Sehr grob gemahlenes Getreide, Partikelgröße über 1 Millimeter.
Hartweizen vs. Weichweizen: Hartweizen ist proteinreicher und eignet sich für Pasta und Pizza. Weichweizen ist weicher und wird für Brot, Kuchen und Gebäck verwendet.
Fazit: Für wen lohnt sich Grieß selber machen mit Getreidemühle?
Grieß selber zu machen mit einer Getreidemühle lohnt sich für alle, die Wert auf Frische, Aroma, Kontrolle und oft auch Kostenersparnis legen. Besonders wenn Sie regelmäßig Pizza, Pasta, Grießbrei oder Brot backen, gewinnen Sie durch selbst gemahlenen Grieß an Flexibilität und Qualität. Sie bestimmen die Körnung, den Ausmahlungsgrad und die Rohstoffherkunft selbst.
Realistische Erwartung ist wichtig: Nicht jede Haushaltsmühle liefert perfekten Grieß auf Anhieb. Sie müssen den Mahlgrad einstellen, eventuell mehrfach mahlen und sieben. Das Ergebnis ist aber in der Regel alltagstauglich und schmeckt frischer als gekaufter Grieß oder Mehl.
Besonders attraktiv ist der umgekehrte Weg: aus günstigem Hartweizengrieß eigenes Mehl zu machen. Das spart Geld und liefert frische, aromatische Ergebnisse, auch wenn der Teig minimal anders reagiert als mit gekauftem Mehl.
Für glutenfreie Ernährung ist Selbermahlen ebenfalls eine starke Option, wenn Sie auf Kontamination achten und Ihre Mühle entsprechend wählen oder separat nutzen.
Nächster konkreter Schritt: Besorgen Sie sich eine kleine Menge Hartweizen oder Hartweizengrieß, stellen Sie Ihre Mühle auf grob bis mittel ein und mahlen Sie eine Testmenge. Wenn Sie dafür erst einmal ein passendes Modell auswählen möchten, kann eine Hawos Queen 1 eine Orientierung sein; alternativ lohnt sich auch ein Blick auf die Hawos Novum oder – wenn Sie ohne Strom arbeiten möchten – eine Kornkraft Farina. Prüfen Sie die Körnung zwischen den Fingern, sieben Sie bei Bedarf und probieren Sie das Ergebnis in einem einfachen Rezept wie Pizzateig oder Grießbrei aus. So bekommen Sie ein Gefühl für die Mühle, die Körnung und den Geschmack – und können von da an gezielt weitermachen.
